Seitenansicht Nike Vaporfly 4% Flyknit

Die Regeländerungen der World Athletics im Bereich Laufschuhe und ihre Auswirkungen

Durch die messbaren Erfolge der Nike Vaporfly Schuhe, sowie der neuesten Nike Prototypen für Bahn und Straße, sah sich die World Athletics (bis 2019 IAAF) gezwungen ihr Reglement anzupassen.

Was für Änderungen gab es im Detail?

Aufbau der Schuhe:

Die Sohlenhöhe wurde bei Straßenschuhen auf maximal 40 mm, bei Spike-Schuhen auf 30 mm festgelegt. Die Schuhe dürfen maximal eine Platte beliebigen Materials enthalten, die in mehrere Segmente aufgeteilt sein darf, so lange diese in einer Linie und nicht parallel oder überlappend verbaut sind. In Spike-Schuhen darf zusätzlich eine Platte, die ausschließlich zur Montage der Spikes dient, vorhanden sein. Die Maße werden bei Schuhen der Unisex-Größe 42 (EUR) gemessen und dürfen bei größeren Größen marginal höher sein.
Anpassungen der Schuhe an die Füße der Athleten (z.B. Einlagen) sind weiterhin erlaubt.

Verfügbarkeit der Schuhe:

Die Schuhe müssen für jeden Athleten im freien Handel (vor Ort oder online) schon 4 Monate vor dem ersten Wettkampfeinsatz erhältlich sein. Bis diese Zeit erreicht ist, gilt der Schuh als Prototyp. Diese Regel gilt nicht für Schuhe, die bis zum 30. April 2020 auf den Markt gekommen sind.

Was sind die Auswirkungen der Regeländerungen?

Momentan gibt es für Hobbysportler keinen Grund zur Aufregung, denn alle aktuell erhältlichen Straßenschuhe entsprechen den Regeln. Verstöße sollen bei Eliteathleten und Altersklassenathleten, bei denen es um „signifikante Ehrungen oder Preise“ geht, verfolgt werden. Was im Detail „signifikant“ ist, darf der Veranstalter entscheiden, aber es wird sicher keine generellen Schuhkontrollen bei lokalen Stadtläufen oder den Amateurfeldern der Triathlon- und Marathonwettkämpfen geben.

Da im ITU-Reglement vermerkt ist, das das Reglement der IAAF gilt, sofern es nicht explizit im ITU-Reglement geändert wurde, sind auch Triathleten an die Beschränkungen gebunden.

Und warum gibt es jetzt überhaupt so eine Regeländerung? Karbonplatten sind doch nichts Neues!

Die Regeländerung wurde eigentlich nicht primär wegen den Karbonplatten, sondern wegen des neuen Sohlenmaterials notwendig. Die früher verwendeten EVA-Schäume waren zu schwer um große Sohlenhöhen mit akzeptablem Gewicht zu produzieren. Und da man mit leichteren Schuhen schneller läuft, waren die Wettkampfschuhe der Profis äußerst minimalistisch.

Vergleich Sohlenhöhe im Fersenbereich Saucony Type A8 und Nike Vaporfly 4% Flyknit
Vergleich Sohlenhöhe im Fersenbereich Saucony Type A8 und Nike Vaporfly 4% Flyknit

Diese superleichten Wettkampfschuhe konnten über längere Distanzen nur von Läufern mit einer entsprechenden Statur und Laufstil getragen werden, da sie kaum gedämpft waren. Mit den Vaporfly Schuhen war es plötzlich für deutlich mehr Athleten möglich, mit so leichten Schuhen einen Marathon zu laufen und den Profis kam die zusätzliche Dämpfung und Energierückgewinnung auch entgegen. Durch die Karbonplatte wird der Schuh stabilisiert, so dass es trotz der hohen Sohlenhöhe möglich ist sicher zu laufen.

Seitenansicht Saucony Type A8 und Nike Vaporfly 4% Flyknit im Vergleich
Seitenansicht Saucony Type A8 und Nike Vaporfly 4% Flyknit im Vergleich

Die New York Times hat die Strava-Daten von vielen Hobbyläufern in einer Studie analysiert. In der Studie kann man deutlich sehen, dass die langsameren Schuhe in der Regel auch die schwereren Schuhe waren.

Braucht man jetzt unbedingt solche Schuhe?

Nein, man kann durchaus auch ohne Karbonplatte und Superschaum viel Spaß am Laufen haben.

Falls man aber gerne solche Schuhe einmal ausprobieren möchte, bin ich mir sicher, das bis zum 30. April 2020 noch einige neue Modelle auf den Markt kommen werden.

Also rechtzeitig vor der neuen Saison! 😀

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